Das Parfum

Endlich ist es soweit: Das (meiner Meinung nach) beste und einzig wirklich gute Buch des 20. Jahrhunderts und auch eines der meistverkauften wird verfilmt. Literaturfreunde können sich freuen, oder nicht?

Erstmal zum Inhalt: Jean-Baptiste Grenouille wird im 18. Jahrhundert in der dreckigsten Stadt dieser Zeit geboren, in Paris. Seine Mutter steht an ihrem Fischstand als die Wehen einsetzen. Der kleine Grenouille kommt zur Welt, wird in die Fischabfälle unter den Tisch geworfen und soll dort sterben, wie seine zahlreichen Geschwister. Aber schon hier unterscheidet er sich von anderen: Er schreit laut und wird so gerettet. Seine Mutter wird hingerichtet.
Schon früh wird klar, dass mit Grenouille etwas nicht stimmt. Er wird immer wieder von Hebammen weggegeben. Der Grund: Er hat keinen Eigengeruch, riecht dafür umso besser und differenzierter.
Nun ja, ich sollte euch wohl nicht gleich die ganze Handlung verraten, lest lieber selbst!
Nur so viel noch: Der außerordentliche Geruchssinn treibt ihn dazu, sein persönliches Lieblingsparfum zu kreieren, welches letztendlich seinen Tod herbeiführt. Auf der Suche nach den schönsten Gerüchen wird er sogar zum kaltblütigen Mörder.
Jetzt zum Film:

Unter der Regie von Tom Tykwer (Lola rennt) wird nun seit Juli 2005 am Film gedreht. Die Schauspieler sind allesamt bekannt (u.a. Dustin Hoffman) und insgesamt verspricht der Film ein Knaller zu werden. Doch wird er das wirklich? Ich habe da meine Zweifel. Natürlich bin ich sehr gespannt darauf, aber ich habe die Befürchtung, dass der Film die Schönheit des Buches zerstört. Man denke da an Ellis’ American Psycho oder auch die vielen Stephen King Filme. Der Vergleich ist zwar nicht unbedingt passend, aber ich hoffe ihr wisst, was ich meine.

Nun ja, wer das Buch gelesen hat, wird mir darin zustimmen, dass der Autor (Patrick Süskind) es schafft, den Leser derart in die Psyche des Protagonisten einzuführen, dass man trotz anfänglicher (sehr starker) Abneigung mit ihm mitfühlt und sich geradezu in ihn hineinversetzt. Schaut man sich den Roman einmal genauer an, erkennt man wie gekonnt der Autor dies mit dem Wechselspiel zwischen personaler und neutraler Erzählhaltung und einigen anderen Rafinessen vollbringt. Da stellt sich mir die Frage, wie ein Film solch eine Meisterleistung nachahmen oder abbilden kann. Es gibt zweifelsohne geniale Filme, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Film so tief in den Zuschauer eindringen kann wie es dieses Buch tut. Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass möglicherweise die Mordszenen zu sehr ausgeschmückt werden. Sie sind enorm wichtig, aber eine Beschreibung in einem Buch ist doch etwas anderes als eine sehr ausgedehnte Szene im Film, oder nicht? Was ich damit meine ist, dass der Film zu einem Horror (oder gar Splatter, man bedenke Grenouilles Tod) mutieren könnte, was nicht mehr zum Roman passen würde.

Und last, but not least möchte ich noch das allgemeine Problem an Literaturverfilmungen ansprechen: Ein Film prägt uns schon sehr und nimmt uns vielleicht die Vorstellungen, die wir uns während des Lesens gemacht haben (siehe Herr der Ringe). Von denjenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben ganz zu schweigen… (Los! Lesen gehen! Sofort!) Ach ja, ein Film kann unsere eigene Kreativität ganz schön in den Hintergrund stellen. Ob man will oder nicht, man hat die Charaktere aus dem Film im Kopf, egal ob sie passend sind oder nicht.
Fragen über Fragen… Ich hoffe, ich habe des Freunden des Romans jetzt nicht die Vorfreude genommen…
Am 14. September 2006 wissen wir mehr, denn dann soll der Film in den Kinos starten.


von Lethe

One Response to “Das Parfum”

  1. VivianDe'Lamorte Says:

    Sehr spannender Beitrag!
    Ich habe das Buch selbst gelesen und war ebenso fasziniert von der Welt von Jean-Baptiste Grenouille!
    Eine sehr morbide Welt und ebenso interessant.

    Auch ich sehe ein Problem in der Umsetzung des Buches. Vor allem jene Gewaltszenen und, was ich für noch schwieriger halte, die Gedanken glaubhaft und dem Buche würdig darzustellen.

    Für alle die planen den kommenden Film zu sehen nur die wärmste Empfehlung das Buch zu lesen!
    Danke Lethe für diesen genialen Beitrag!

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