Die Selbstmordhymne
Im Jahre 1933 schuf ein bis dahin unbekannter ungarischer Komponist namens Rezsô Seress sein einzig erfolgreiches Lied, Szomorú Vasárnap, besser bekannt als Gloomy Sunday. Der Text stammt von Laszlo Javor.
Die Reaktionen auf dieses Lied, das der Legende zufolge an eine Geliebte geschrieben wurde, die sich nach dem Hören des Liedes umbrachte, waren mehr als verblüffend: 17 Selbstmorde in Ungarn und bis zu 200 weltweit wurden damit in Zusammenhang gebracht. Es wurde behauptet, dass einige Menschen sich nach dem Hören umbrachten, oder ein Notenblatt davon bei ihrem Tod bei sich hatten. Wie viel davon wahr ist, kann man nicht mehr nachvollziehen. Es sollen sogar Verbote in Ungarn und den USA verhängt worden sein.
Der Komponist brachte sich jedoch auch um, indirekt wegen seines Liedes. Er konnte es nicht ertragen, keinen weiteren “Hit” mehr landen zu können, aber wer weiß, vielleicht hat er ihn nur zu oft gehört.
Die Wirklung wird meist der melancholischen melodie zugeschrieben, aber auch der Text hat es in sich, hier die englische Übersetzung:
Sunday is gloomy
My hours are slumberless
Dearest the shadows
I live with are numberless
Little white flowers
Will never awaken you
Not where the black coach
Of sorrow has taken you
Angels have no thought
Of ever returning you
Would they be angry
If I thought of joining you
Gloomy Sunday
Sunday is gloomy
With shadows I spend it all
My heart and I have decided
To end it all
Soon there’ll be flowers and prayers
That are said I know
But let them not weep
Let them know
That I’m glad to go
Death is no dream
For in death I’m caressing you
With the last breath of my soul
I’ll be blessing you
Gloomy Sunday
Dreaming
I was only dreaming
I wake and I find you asleep
In the deep of my heart dear
Darling I hope
That my dream never haunted you
My heart is telling you
How much I wanted you
Gloomy Sunday
Gloomy Sunday
Auffallend hierbei ist die deutlich erkennbare Zäsur zwischen der zweiten und dritten Strophe. Diese lässt sich auch ganz einfach erklären: Die letzte Strophe wurde erst nachträglich dazugefügt, um das ganze Lied zu entschärfen, ob’s was brachte sein mal dahingestellt.
Noch Jahre später zog das Lied seine Kreise. Es gibt diverse Interpretationen populärer Künstler, u.a. Billie Holiday, Heather Nova, Björk, Christian Death, Sinead O’Connor, Sarah Brightman etc.
1999 wurde sogar ein Kinofilm (Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod) in ungarisch-deutscher Coproduktion gedreht. Inwieweit der Inhalt mit den Tatsachen übereinstimmt ist mir nicht bekannt, ich habe ihn leider noch nicht gesehen.
Also, wen’s näher interessiert kann sich ja mal ein Version besorgen, aber VORSICHT!
von Lethe
August 25th, 2005 at 2:53 pm
Besser, hier mal was reinpsoten, wenn jemand das Original hat.
August 27th, 2005 at 5:47 am
Ich kann den Film empfehlen, entgegen all dem, was so über den deutschen Film gemeckert wird finde ich dieses Exemplar sehr gelungen.
August 28th, 2005 at 6:20 am
Ja, bis jetzt nicht dazu gekommen.
Aber ischerlich bald.
March 16th, 2008 at 5:24 am
Ich habe diesn Film auch noch nicht gesehen, aber das lied gehört. Und siehe da: Wie man sieht bin ich noch sehr wohl am Leben. Es ist nur ein Opfer von weltweiter Massenhysterie und bedauerlichen Selbstmorden. Es ist aber genauso bedauerlich, dass ein so schönes Lied seinem Ruf einem Massenselbstmord zu verdanken hat. Klar, hat dieses Lied einen Einfluss aufs menschliche Gemüt, aber welches andere hat das nicht?