Lethe

Nun ja, ich weiß nicht , ob “Buchsache” die richtige Kategorie hierfür ist, aber schließlich wird Lethe von zahlreichen Dichtern aufgenommen, wie im folgenden erwähnt wird.

“Lethe” ist griechisch und bedeutet “vergessen”, daher auch Lethargie. Ebenfalls interessant: Das griechische Wort für Wahrheit ist a-lethe-ia, also wörtlich Unvergessenheit.
In der griechischen Mythologie ist Lethe ein Fluss im Hades, der Unterwelt. Dorthin kommt dem Glauben der alten Griechen zufolge die Seele nach dem Tod des Körpers. Lethe entspringt an der Wurzel einer weißen Zypresse, wo auch die Seelen eintreffen.
Von ihr trinken alle durstigen Seelen und vergessen dabei ihre Erfahrungen des irdischen Lebens. Gelehrte Seelen jedoch ertragen ihren Durst zunächst und trinken von Lethes Gegenpol, Mnemosyne (”erinnern”). Das Wasser des Mnemosyneflusses hilft ihnen so, sich an das Leben zu erinnern, auch bei ihrer Reinkarnation.
Das jedenfalls sagt uns Pythagoras und erklärt somit auch (teilweise) das Problem der Seelenwanderung.
Lethe wurde in neuerer zeit oft in Dichtungen, Musik oder gar als Lebensphilosophie wahrgenommen.

Hier ein paar Beispiele:
In einem älteren Artikel über John Milton wurde sein Werk Paradise Lost erwähnt. Auch darin findet Lethe ihre Beachtung:

“Abhorred Styx, the flood of deadly hate, / Sad Acheron of sorrow black and deep; / Cocytus named of lamentation loud / Heard on the rueful stream; fierce Phlegethon / Whose waves of torrent fire inflame with rage. / Far off from these a slow and silent stream, / Lethe, the river of oblivion, rolls / Her watery labyrinth, whereof who drinks / Forthwith his former state and being forgets, / Forgets both joy and grief, pleasure and pain”

Auch in Dantes Divina Comedia wird Lethe erwähnt.

Eine(n) “beßre)n) Lethe” entwarf Friederike Brun Anfang des 19. Jahrhunderts:
…Auch nicht Schmerzen
Zarter Herzen
Werden in die Fluth versenket -
Sanft erfrische
Das Gemische,
Thräne, die des Freunds gedenket.

Tief hinunter
Sink’, o bunter
Tand des öden Weltgewühles!
Sorg’ und Kummer
Wieg’ in Schlummer
Das Geträum des Kinderspieles!…

Nun zur Dichtkunst des 20. Jahrhunderts: CF Meyer widmet Lethe ein ganzes Gedicht, auch dort wird sie als schrecklich und doch wundervoll beschrieben. Sie bringt den Menschen/Seelen Heil durch Vergessen, aber zu welchem Preis?

Ein ausfürliches Buch über “Lethe - Kunst und Kritik des Vergessens” gitb es von Harald Weinrich, allerdings ist das sehr schwere Kost.


von Lethe

One Response to “Lethe”

  1. VivianDe'Lamorte Says:

    Lethe - wie Zuckerbrot und Peitsche.
    Wie Du schon schreibst, Seelenheil durch Vergessen - man dürfte sich vielleicht mal philosophisch fragen, ob der Fluss Lethe lediglich die allerletzte Prüfung ist.

    Nach dem Motto, “nur die Harten kommen in den Garten” - wer sich entscheidet nicht zu vergessen und davon zu lernen, der wählt den richtigen Weg.
    Die die aus der Lethe trinken wählen eindeutig den einfacheren Weg.

Leave a Reply