Wiederbelebung

So, gerade bin ich mit einer “Geschichte” fertig geworden. Die Idee dazu hatte ich schon lange, nur die Umsetzung hat mir Schwierigkeiten gemacht. Ich bin auch jetzt noch nicht so zufrieden…
Lest selbst:

(Ach ja, bitte nicht vervielfältigen etc.)

Eigentlich lief alles gut. Sie hätte einen sehr schönen Tod gehabt. Aber dann kam dieser verdammte Zwischenfall.

Aber zurück auf Anfang:
Es war wieder einer dieser Tage, an denen sie sich einfach nur schlecht fühlte. Es gab keinen besonderen Grund dafür, es war nur eine der täglichen Depressionen.
Sie hatte sie schon lange und versuchte sich immer wieder zu betäuben. Aber sie hatte festgestellt, dass das alles nur noch schlimmer machte.
Anfangs hatte es geholfen, nur wenn es vorbei war, fiel sie wieder in ein tiefes Loch. Doch inzwischen sprach ihr Körper nicht mehr auf die Muntermacher an und sie verstärkten die Depressionen nur noch mehr.
So auch an diesem Tag. Sie kam nach Hause und versuchte sich abzulenken. Nichts half, ihre Gedanken drehten sich immer um das selbe Thema. Sie war alleine, sie konnte nichts daran ändern. Die Welt war schlecht.
Normalerweise legte sie sich bei einer solchen Gemütsstimmung immer ins Bett, weinte und schlief dann irgendwann ein, erwachte aus einem schlimmen Traum und fühlte sich ein wenig besser. Oder auch schlechter.

Aber an jenem Tag hatte sie einen Entschluss gefasst. Um nicht wieder einen Rückzieher zu machen warf sie noch ein paar Pillen ein und trank Alkohol. Dann ließ sie warmes Wasser in die Wanne ein und machte ihre Lieblingsmusik an, sie wollte schließlich ein schönes Ende haben. Man stirbt schließlich nur einmal. Der Gedanke an den Tod machte sie irgendwie glücklich. Schluss mit der Scheiße.
Sie war schon leicht benebelt, als sie sich die Rasierklinge schnappte und in die Wanne stieg.
Sie entspannte sich, atmete noch einmal tief durch und schnitt die Pulsadern der Länge nach auf. Das ging aber einfach, dachte sie sich dabei. Schon spürte sie, wie das warme Blut aus ihren Adern floss und sich um sie herum verteilte. Eine schöne Farbe. Es vermischte sich langsam mit dem Wasser und wurde heller und heller. Sie beobachtete wie es sich bewegte und verformte. Sie fühlte sich auf einmal viel wohler. Es kam nicht vom Alkohol, auch nicht von den Drogen. Es war ein Gefühl der Wärme und Behaglichkeit. Sie fühlte sich auch nicht mehr alleine. Alles schien besser zu sein. Das Gefühl schmeckte wie süße Bonbons, wie ein Lagerfeuer, wie Liebe.
Sie verlor das Bewusstsein und spürte, wie ihr Geist ihren zerschundenen Körper verließ. Sie schaute nicht zurück, sie bewegte sich nur immer weiter auf das Schwarze zu. Inzwischen hatte sie sich von jeglichem Gefühl losgesagt, sie fühlte sich nicht mehr bedrückt wie vor dem Sterben, aber auch nicht mehr so erleichtert und warm wie beim Sterben. Sie fühlte nichts mehr, hatte keine Gedanken. Muss das nicht schön sein?

Während sie also dem Nirwana entgegenschwebte, hatte eine Freundin, besser eine Bekannte, versucht in ihre Wohnung zu gelangen. Sie wollte sie nicht besuchen, nein, sie wollte sich nur etwas abholen, was sich Emily schon vor Monaten von ihr ausgeliehen hatte. Sie klingelte, klopfte, schrie. Keine Antwort. Hätte sie nicht die Musik gehört, wäre sie längst wieder gegangen. Aber sie sollte ihr endlich ihre Sachen wiedergeben. Nach einer Weile kam ihr Freund und fragte, ob es ein Problem gäbe. Nach einer kurzen Unterredung brach er die Türe auf. Blöder Zufall. Ausgerechnet jetzt.
Wenige Minuten später traf der Notarzt ein und das Grauen nahm seinen Lauf.

Sie merkte plötzlich, wie sie weiter zurückgedrängt wurde. Sie wollte nach vorne, aber irgend etwas zog sie zurück. Immer weiter zurück. Es zog an ihr es tat ihr weh. Vergeblich wehrte sie sich.
Ihr Mund öffnete sich und sie schrie.
Sie riss ihre Augen auf, der Schrei verklang nicht. Im ersten Moment sah sie nichts, doch dann sah sie ein helles Licht in ihre Augen leuchten.
Ihr Geist war zurück in ihrem toten Körper, die Schmerzen wurden schlimmer. Sie hörte nicht auf zu schreien.
Sie hatte die Kontrolle über ihre Körper nicht wieder. Sie erkannte nicht, wo sie war. Sie war nur von dem Gedanken besessen, zurück in den Tod zu gehen.

Im Krankenhaus.
Sie erholte sich nicht. Sie wollte es auch nicht. Furchtbare Schmerzen. Sehnsucht. Nach Tod. Doch sie ließen sie nicht zurück. Verdammt zum Leben. Kein Ausweg. Keine scharfen Gegenstände, keine Medikamente in ihrer Reichweite. Ans Bett gefesselt.
Immer noch diese Schmerzen.
Ihr Körper war tot. Er hielt ihre Seele in sich gefangen.


von Lethe

4 Responses to “Wiederbelebung”

  1. Fwd Says:

    Sehr schöne Geschichte. Lässt sich gut lesen.

  2. Lethe Says:

    Naja, aber “schön” soll die geschichte ja nicht sein ;-)

  3. Fwd Says:

    Ich finde sie schön. Besonders wie du die Gefühle ausdrückst wenn sie im Wasser liegt und das Blut in selbiges fließt.

  4. Lethe Says:

    danke :-)

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