Wir verlieren uns

Wir verlieren uns in einer Selbstlosigkeit um das eigene Elend nicht begreifen zu müssen.
Was wären wir denn ohne persönlichen Egoismus? Jedes Lebenwesen welches in der natürlichen Ereigniskette überleben möchte, muß zwangsläufig egoistisch sein.
Natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt.
Denn sofern das Lebenwesen nicht gerade androgyn und selbstfortpflanzungstauglich ist, wird es verdammt schwer nur egoistisch zu überleben.

Doch in der Moderne verliert sich der Mensch zunehmends im Gefüge von Karriere, Geldgeilheit, Bequemlichkeit und Toleranz.
So wollen wir alle möglichst viel erreichen, möglichst viel selbst sehen, möglichst alleine bleiben und doch Personen haben, auf die man bequem zurückgreifen kann bei Bedarf.
Aber was wir dabei stets übersehen, ist, daß wir uns selbst nicht mehr erkennen.
Ich schließe mich da nicht aus. Auch ich habe eine gewisse Degeneration, geistig wie sittlich, erfahren, auch ich bin auf dem Dampfer der die Klippen ansteuert um endlich ein Ende zu finden.
Nur sehe ich mich persönlich im Vorteil, weil, wie viele andere Menschen auch, erkenne ich mein persönliches Elend und tue es nicht ab.
Ich erkenne es, und versuche am geistigen Wohl zu arbeiten.
Ich bin zufrieden mit meinem Leben, und dann wieder nicht.

Ich kann in einem Moment lachen und in einem anderen, darauffolgenden Augenblick die Seele aus dem Leib schreien und der Welt reinstes Verderben wünschen.
Labil? Ja, irgendwo schon.

Doch wir verlieren uns, wir verlieren uns im Gefüge der Zeit - alles wird schneller, alles wird perfekter - nur der Mensch hinkt hinterher - wir entwickeln uns rasant, aber nicht rasant genug um sich anzupassen.

Wer es nicht schafft mitzukommen, wird unter die Räder kommen.
Wir verlieren uns, und wenn nicht, dann werden wir verloren werden.


von VivianDe'Lamorte

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